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Zu Fuß über die Alpen
Vor 500 Jahren reiste Luther nach Rom: Den Aufenthalt erlebte er mit gemischten Gefühlen. Zwar begeisterten ihn Frömmigkeit und frühchristliche Stätten, doch die Prunksucht der Kardinäle schreckten ihn ab.
Rom, im Winter 1510: Nach einem wochenlangen Fußmarsch kommen Martin Luther und sein Ordensbruder erschöpft aber glücklich in der „Heiligen Stadt“ an. Sie tragen die schlichte Mönchstracht der Augustiner – eine Kutte aus grobem, schwarzem Wollstoff mit einer spitz zulaufenden Kapuze. Sie haben Regen, Schnee und klirrender Kälte getrotzt. Sind durch Nürnberg, Ulm und die Westschweiz gewandert, haben die Alpen überquert und Mailand und Florenz passiert.
Immer mit im Gepäck: Die Gefahr, Opfer von Räubern oder Krankheiten zu werden. 27 Jahre alt ist Luther, als ihn sein Orden zur Klärung von Streitigkeiten nach Rom schickt. Dort soll der Papst ein Machtwort sprechen, soll entscheiden, wie streng die Augustiner ihre Regeln einhalten müssen.
Es ist die erste Reise, die den promovierten Theologen ins Ausland führt. Neugierig ist er, endlich die Stadt selbst zu erleben, dessen Kirche er als besonders von Gott geehrt betrachtet. Und so soll sich Luther beim Anblick Roms auf den Boden geworfen und gerufen haben: „Sei gegrüßt, Du heiliges Rom, ja, rechtschaffen heilig, von den heiligen Märtyrern und ihrem Blut, das da vergossen ist.“ Die Ordensbrüder des Klosters nahe der Piazza del Popolo nehmen die kleine Delegation aus Erfurt freundlich auf.
Wer heute in nur zwei Stunden in die Hauptstadt Italiens fliegt, wird als eines der ersten Ziele den prächtigen Petersdom ansteuern. Doch die größte Kirche der Christenheit war zu Luthers Zeiten noch eine gewaltige Baustelle. 1506 war ihr Grundstein gelegt worden, eingeweiht wurde sie erst 117 Jahre später, anno 1623.
Die enormen Kosten finanzierte der damalige Papst Julius II zu großen Teilen mit einem florierenden Ablasshandel. Etwas, das Luther nur sieben Jahre später in seinen Wittenberger Thesen anprangern wird. Das schnelle Geld mit den reuigen Sündern kennt Luther schon von zu Hause. Denn von 1506 bis 1510 tourte der Dominikanermönch Johann Tetzel durch Sachsen, Schlesien, Schwaben und Franken mit seinem eingängigen Slogan: „Sobald die Münz’ im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“ Ein Ärgernis für Luther, der der Meinung ist, dass Gott jedem Christen vergibt, der seine Sünden bereut. Und das ganz unentgeltlich.
Obwohl Luther der Ablasshandel unangenehm auffällt, wie auch der Prunk der Kardinäle, die sich mit Purpur, Gold und Edelsteine schmücken, ist sein Eindruck von Rom zunächst nicht negativ. Er spürt den spirituellen Wurzeln des Christentums an Orten wie den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus nach und ist fasziniert von der gewaltigen Kuppel des Pantheons. Ein ursprünglich antiker Tempel, der seit dem 7. Jahrhundert als Marienkirche die Gläubigen anzieht. Der deutsche Geistliche ist nicht nur Gesandter und Besucher in Italien, er gestaltet auch das christliche Leben in der Stadt aktiv mit. So hält er in der Augustinerkirche hinter der Porta del Popolo Messen ab. Keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass Luther nur sieben Jahre später die römisch-katholische Kirche spalten, den Zorn des Papstes auf sich ziehen und schließlich 1521 exkommuniziert werden wird.
„Während seiner Reise war Luthers Eindruck von Rom zwiespältig, sagt Georg Röwekamp, der Geschäftsführer von Biblische Reisen. Spezielle Touren des Kultur- und Studienreiseanbieters führen auch nach Rom. Ein Tag ist dort dem Reformator gewidmet, auf dessen Spuren Entdeckungsfeudige wandeln können. „Die Kritik am Lebensstil der Kardinäle oder am Stil der Gottesdienste bedeutete damals noch nicht die Abwendung von der Kirche“, sagt Röwekamp über Luthers Aufenthalt in der „Ewigen Stadt“. Das sollte sich jedoch ändern. „Spätere Erfahrungen mit der Kirche haben die damaligen Eindrücke dann in ein negatives Licht gerückt – bis Luther irgendwann gar nichts Gutes mehr an Rom zu erkennen vermochte“, so Röwekamp.
Biblische Reisen GmbH, Silberburgstr. 121, 70176 Stuttgart, Tel. 0711/61925-0, Fax 0711/61925-811, info@biblische-reisen.de - www.biblische-reisen.de
Von Marion Sippel
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