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Der Mythos im Sportkampf
Unbesiegbar wie die Amazonen: Ihre Einsatzbereitschaft und ihr Mut sind legendär. Durch jahrelanges Reit- und Kampftraining sollen die Amazonen im Umgang mit Pfeil und Bogen jedem Mann überlegen gewesen sein, sagt der Mythos. Kein Wunder, dass die als unbesiegbar geltenden Kämpferinnen bis heute für Sportlerinnen der verschiedensten Disziplinen als Vorbilder dienen.
Ob Bogenschießen, Rudern, Reitsport, Basketball oder Eishockey – in nahezu jedem Bereich des Frauensports nennen sich einzelne Teams „Amazonen“ und rufen damit den Jahrhunderte alten Mythos der furchtlosen, ausdauernden und freiheitsliebenden Frauen wach, die auf einem Pferd reitend das Schwert schwingen, sich verteidigen oder zum Angriff schreiten. Bis heute ist der legendäre Ruf der Amazonen ungebrochen.
Doch wo liegen die Ursprünge des mythischen Frauenvolks, das längst zum popkulturellen Phänomen geworden ist? Wer waren die sagenumwobenen Amazonen wirklich, die in Kleinasien an der Schwarzmeerküste ein matriarchalisches Reich errichtet haben sollen? Antworten verspricht die große Sonderausstellung „Amazonen - geheimnisvolle Kriegerinnen“, die das Historische Museum der Pfalz in Speyer vom 5. September 2010 bis 13. Februar 2011 zeigt.
Erstmals überhaupt präsentiert eine kulturgeschichtliche Ausstellung in Deutschland den heutigen Wissensstand zu den Amazonen. Faszinierende Zeugnisse aus Kunst und Alltagsleben lassen in der Speyerer Ausstellung den alt bekannten Amazonen-Mythos in neuem Licht erscheinen.
Mit über 2.000 qm Sonderausstellungsfläche lädt das Historische Museum der Pfalz zu dieser großartigen Kulturschau ein. Die Ausstellung über die legendären Kriegerinnen des Altertums wird sensationelle Neufunde als Weltpremieren vorstellen.
Zwischen den Jahren 1200-330 vor Chr. sollen sie im südlichen Anatolien, an der Ostküste des Schwarzen Meeres und in den Gebieten des Kaukasus-Gebirges bis hin zum Kaspischen Meer gelebt haben – die AMAZONEN. Das berichten die antiken Schriftsteller in dieser Zeit, sie erzählen uns Geschichten über ihre Lebensweise, ihre Leidenschaften und über ihre Kriege.
„Unter dem Mond“, so wird in der ugurischen Sprache das Altaigebirge malerisch benannt, wurde man nun fündig, stieß auf reale Belege dieses Mythos und auf einzigartige Fundstücke. Selbst Priamos, der König von Troja, hatte seine Erfahrungen mit den AMAZONEN gemacht, die mythische Welt dieser kriegerischen Frauen wird in Speyer nun Realität.
Höhepunkte der Präsentation sind die zum ersten Mal in Westeuropa präsentierten Grabschätze der Kriegerinnen aus den sibirischen Steppen. Der sensationelle Grabfund von Ak-Alacha, im Altai-Gebirge, beinhaltet die Doppelbestattung eines Mannes und einer jungen Frau, die beide als Krieger beigesetzt wurden. Auf der Hochebene des Altai, stießen Forscher auf ein außergewöhnliches Gräberfeld. Es wurde durch den in der Hochsteppe herrschenden Permafrost konserviert und vor dem natürlichen Verfall bewahrt. Besonderes Interesse erregte der Grabhügel Ak-Alacha 1, der ein Doppelgrab für ein etwa 16-jähriges Mädchen und einen 40-45jährigen Mann barg. Unter dem typisch aus aufgeschütteten Steinen und mehreren Lagen von Baumstämmen und Baumrinde befand sich im Zentrum des Grabhügels, die eigentliche Grabkammer. Der Dauerfrost und zusätzlich eingedrungenes Wasser hatten die knapp drei Meter unter der Erde befindliche Grabgrube vereisen lassen.
Das ermöglichte einzigartige Forschungserkenntnisse über die Ausstattung dieser Reiterkriegerinnen, da die Materialien wie Holz, Fell und Wolle sehr gut erhalten wurden. Die außergewöhnlichen Funde von Ak-Alacha zeugen davon, dass dem sagenumwobenen Mythos der „Amazonen“ ein Stück Realität innewohnt.
Bei früheren Ausgrabungen der Wissenschaftlerin Jannine Davis-Kimball wurden 2500 Jahre alte Frauenskelette mit anatomischen Besonderheiten entdeckt. Da die Oberschenkelknochen der Frauen stark gebogen und die Steißbeine gestaucht waren, kann man annehmen, dass sie sehr oft geritten sind. Mehr als 100 Pfeilspitzen wurden gefunden, diese enorme Anzahl der Pfeilspitzen, die damals auch sehr wertvoll waren, lässt die Forscher vermuten, dass es sich bei der Toten um eine berittene Kriegerin handelte. Das Volk der kriegerischen Frauen, die unabhängig von Männern ein eigenständiges Leben führten, eigene Städte bauten und sich männlichen Soldaten im Krieg erfolgreich entgegenstellten - gab es sie wirklich oder sind sie einfach nur ein wunderbarer Mythos?
Ausstellung vom 5. September 2010 bis 13. Februar 2011 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. www.museum.speyer.de
Von Thomas Spindler. www.cab-artis.de












