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Bad Tölz

Leonhardifahrt in Bad Tölz

Der siebte November ist ein besonderer Tag in Bad Tölz: Schon seit den frühen Morgenstunden ziehen Wallfahrer mit ihren prachtvoll geschmückten Gespannen in die Stadt. Die feierliche Wallfahrt zu Ehren des heiligen Ross- und Viehpatrons St. Leonhard zeugt von tief verwurzelter Liebe zum Brauchtum der Bad Tölzer.

Eine nervöse Spannung breitet sich in der Stadt aus. Beim Klang der Kirchenglocken, pünktlich um neun Uhr, setzt sich die Leonhardifahrt in Bewegung und zieht vom Max-Höfler-Platz durch die Altstadt. Festlich geschmückte Pferde, einige mit kunstvoll eingeflochtenen Rosen in der Mähne, ziehen die mehr als 70 Wagen aus verschiedenen Regionen.

Den Auftakt macht der Wagen mit der hohen Geistlichkeit, gefolgt von weiteren Wagen mit den Ministranten und den Stadträten, die zur Feier des Tages Zylindern tragen. Anschließend folgen prunkvolle Vierergespanne, die Truhen- und Tafelwägen ziehen, die mit kunstvoll religiösen Motiven bemalte sind oder mit Buchs- oder Tannenzweigen geschmückt sind. Die Kutschenräder sind, wie die Tradition es verlangt, mit Eisen beschlagen. Die Schellen an den Prachtgeschirren der Pferde und das Klacken der Hufe tönen fröhlich durch die Altstadt. Die ins Gebet vertiefte Frauen auf den Wagen tragen Festgewänder. Unverheiratete Frauen das Mieder und die Männer natürlich Lederhose und Janker. Auch die meisten Schaulustigen haben sich für den festlichen Tag zünftig in Tracht gekleidet.

Die Legende sagt, das Leonhard im 6. Jahrhundert in Frankreich bei Limoges gelebt hat. Von Mitleid erfüllt besuchte Leonhard regelmäßig Gefangene und setzte sich oft erfolgreich für deren Freilassung ein. Als ihm von König Chlodwig I. die Bischofswürde angeboten wurde, lehnte er ab, er zog es vor, als Eremit in die Einsamkeit des Waldes zu ziehen, um für Kranke und Hilfsbedürftige zu beten. Eines Tages ging König Chlodwig I. mit seiner Frau Chrodechild zur Jagd in den Wäldern von Limoges. Als bei der hochschwangeren Chrodechild die Wehen einsetzten, schrie sie vor Schmerzen. Leonhard hörte ihre Schreie, eilte zur Hilfe und rettet der Königin und dem ungeborenem Knaben das Leben. König Chlodwig I. wollte Leonhard als Dank reich beschenken, doch dieser wollte nur eine Waldfläche, so groß wie sein Esel in einer Nacht umreiten konnte. Auf diesem Gebiet gründete Leonhard das Kloster Noblat, in dem er auch am 6. November im Jahre 559 starb. Heute wird der Heilige Leonhard als Schutzpatron der Tiere verehrt. Alljährlich bitten die bayerischen Bauern bei der Leonhardifahrt oder dem Leonhardiritt um Schutz und Segen für Haus und Hof. Die Bauernregel sagt: „Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“. Diese Tradition findet in Bad Tölz in diesem Jahr bereits zum 156. Mal statt. 

Über die Isarbrücke und über den Maierbräugasteig in Bad Tölz zieht die festliche Wallfahrt den Kalvarienberg hinauf zur Leonhardikapelle, an der Rupert Frania, der Stadtpfarrer die Wallfahrer und Pferde segnet. Anschließend geht es in den Festgottesdienst. Die Gespanne versammeln sich auf der großen Wiese hinter der Kapelle, hier können sich die Pferde von dem steilen Anstieg erholen. Frauen verteilen von ihren Wagen selbst gebackene Kekse und schenken Schnäpse und Liköre aus.

Mittags zieht der Festzug zurück in die Altstadt zur Mühlfeldkirche, dort werden die Wallfahrer und ihre Pferde mit Weihwasser gesegnet. Damit ist die Leonhardifahrt beendet und jetzt darf gefeiert werden. Den Auftakt machen die Goaßlschnalzer, die Peitschenschwinger, mit ihrer Kunst in der Marktstraße, von deren Häusern der scharfe Peitschenknall von den Hauswänden zurückgeworfen wird. Die Stimmung in der Altstadt ist fröhlich, Blasmusik spielt auf. Alle Cafés, Restaurants und Bars sind geöffnet. Viele Tölzer nehmen extra Urlaub für den Leonhardiritt, das ist Ehrensache.   

 

Termin: 7. November 2011 ab 9:00 Uhr

 

Tourist-Information Bad Tölz, Max-Höfler-Platz 1, D-83646 Bad Tölz, www.bad-toelz.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

 

Unsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Hotels & Restaurants. Ihr Thema sind die Berge.

 

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